U2 nach Ruhleben

Hinweis: früher vorhandenes Bild aufgrund Urheberrechtsverletzung entfernt

Ort: U-Bahn-Haltestelle „Schönhauser Allee“, Berlin

Ich stehe am Bahnsteig, warte auf die U2 nach Ruhleben. Die Haltestelle erinnert mich an Hamburg, sie liegt über der Erde. Ich setze mich auf eine Bank. Neben mir eine jüngere und eine ältere Frau. Die Ältere liest. Die Jüngere holt einen Stein aus ihrem Schuh. Ich sitze nur da und warte.

Einige stillschweigende Momente später nähert sich ein Mann. Ein seltsamer Mann. Er hat dunklere Haut, schwarze Haare und trägt eine schwarze Sonnenbrille. Seine Haare und sein Bart sind nicht mehr zu unterscheiden, sein Gesicht fast komplett von Haaren bedeckt. Nur seine Nase und sein Mund stechen noch heraus. Obenherum trägt er eine schwarze Jacke, eine Hose scheint er nicht zu tragen, wenn dann nur eine Kurze. Seine Beine hat er mit Fäden umwickelt, an denen Perlen angehängt sind. An den Füßen trägt er schwere Stiefel.

Er setzt sich zwischen die beiden Frauen, daraufhin steht die Jüngere nach einigen Sekunden auf. Die Ältere liest weiter, der Mann macht es sich bequem. Dann sehe ich, dass meine U-Bahn kommt. „U2 Ruhleben“ blinkt es in gelber Schrift auf der Anzeige. Ich stehe auf und höre es in den Schienen rauschen. Dann hält die Bahn.

Ich steige ein und setze mich. Die ältere Frau steigt mit in meinen Waggon und setzt sich ein Stückchen entfernt von mir auf einen freien Platz, der Mann bleibt an seinem Platz sitzen. Die Bahn fährt los und das gewohnte Rauschen und Quietschen der Schienen stellt sich ein. Ich betrachte die Leute, die mit mir fahren.

Mir gegenüber sitzt eine ältere Frau mit kurzen, bis zu den Ohren reichenden, hellbraunen Haaren. Sie trägt türkisfarbene Ohrringe und eine große Brille. Sie liest in einem Buch mit dem Titel „Römische Sagen“. Neben ihr steht eine schwarze Handtasche. Sie trägt eine knöchellange, graue Hose und schwarze Schuhe. Außerdem trägt sie Damenstrümpfe. Sie beginnt zu husten, legt das Buch zur Seite und beginnt in ihrer Handtasche zu kramen. Mittlerweiler sind wir am „Senefelder Platz“ angelangt.

Ich sehe mich weiter um. Weiter hinten sitzt die ältere Frau aus der Schönhauser Allee. Rechts neben ihr ein Mann in einer schwarzen Jacke mit einem gelben Aufnäher, anscheinend ein Firmenlogo. Er schaut immer mal wieder mürrisch zu mir herüber, Haare hat er nur noch sehr wenige. Ihm gegenüber sehe ich ein paar Chucks mit weißen Sohlen und einem schwarz-weiß-karierten Stoffmuster. Und ich sehe einen braunen Haarschopf hinter einem Werbeplakat hervorschauen.

Die U-Bahn-Stimme ertönt: „Rosa-Luxemburg-Platz“. Die Bahn hält und ein jüngerer Mann steigt ein. Er setzt sich neben die Frau mir gegenüber. Er trägt eine Brille, eine schwarze Jacke, eine schwarze Hose und dunkle Schuhe. Nachdem er sich hingesetzt hat sucht er in der Innentasche seiner Jacke, zieht sein Portmonee heraus, öffnet es, schaut hinein, schließt es und steckt es wieder weg. Ich wende mich wieder der Frau mit dem Buch über römische Sagen zu. Sie liest immer noch angestrengt mit hochgezogenen Augenbrauen und weit geöffneten Augen. Sie ist sehr vertieft in das Buch, genauer gesagt in den Buchdeckel. „Alexanderplatz“ höre ich aus dem Lautrsprecher über mir. Ich stehe auf und steige aus.

U-Bahn-Fahrten in Berlin sind doch immer ein kleines Abenteuer.

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